Wer scheitert gewinnt

24. April 2018

„Einen Fehler können wir uns nicht erlauben“

Mit dieser Vorgabe haben Unternehmen und Organisationen lange und hart darauf hingearbeitet, um die perfekte Qualität zu liefern.

Eine Unternehmenspolitik der Null-Fehler-Toleranz mag in der Theorie einwandfreie Ergebnisse versprechen, ist jedoch in der Praxis leider pure Illusion. Selbst detaillierte Arbeitsanweisungen, umfangreiche Prüf- und Kontrollmechanismen sowie ausgeklügelte Überwachungs- und Steuerungstools können Fehler nicht vermeiden. Der Mensch schlägt noch immer jedes System. Alleine schon durch die Kreativität beim Leugnen und Vertuschen.

Also, noch mehr Kontrolle! Die erzeugt wiederum Angst bei den Kontrollierten, was lediglich zu defensivem Verhalten, Abschottung und Misstrauen führt. Es ist klar welche Unternehmenskultur sich hier langfristig entwickelt.

Seit einigen Jahren ist es daher sehr populär von einem „konstruktiven Fehlermanagement“ und einer „Kultur des Scheiterns“ zu reden. Man scheitert nicht mehr, sondern sammelt Erfahrungen.

Das wusste schon Thomas Edison, der vor der Glühbirne „1.000 Wege kennenlernte, wie sie nicht funktioniert“. Und das wissen auch Start-Ups, die per „fail often and early“ herausfinden, was der Markt will und was nicht. Man könnte, gemessen an der aktuellen Popularität des Themas fast den Eindruck gewinnen, dass keiner mehr irgendetwas richtigmachen möchte. Immer im Bestreben möglichst viel zu lernen.

Eine Kultur des Scheiterns bedeutet jedoch nicht, keine verwertbaren Ergebnisse mehr zu liefern. Es bedeutet nicht, Beliebigkeit und Nachlässigkeit Tür und Tor zu öffnen oder dass wenn A nicht funktioniert man einfach zu B wechselt.

Es bedeutet vielmehr ein negatives Ergebnis offen zu akzeptieren, die Gründe dafür vorbehaltlos zu analysieren und alternative Wege zu finden. Die Erfahrungen die man sammelt, müssen auch zu den Fähigkeiten und Fertigkeiten werden, die man beim nächsten Versuch einsetzt, mit dem Ziel, die Qualität des Ergebnisses zu steigern. Dann gewinnt man, obwohl man scheitert.

Auch eine Kultur des Scheiterns hat immer zum Ziel, die Qualitätserwartungen des Marktes und der Kunden zu erfüllen. Und je klarer diese Erwartungen sind, desto geringer sollte die Fehlertoleranz sein. Wer eine klare Anforderung nicht erfüllt, der lernt weniger an Erfahrung, als er an Geschäft verliert. Und wer scheitert, die Gründe jedoch nicht erkennt oder keine alternativen Wege identifiziert, der gewinnt gar nichts. Nicht einmal die vielzitierte Erfahrung.

Offenheit, vorbehaltlose Analyse und die Möglichkeit einen weiteren Versuch durchzuführen, benötigen wiederum eine Unternehmenskultur die von Respekt und Selbstvertrauen, aber auch von Demut und dem Willen zum Erfolg geprägt ist. Und das nicht nur gegenüber den Kunden, sondern auch unter den Mitarbeitern. Wer von seinen Kunden die Chance auf einen zweiten Versuch erwartet, der sollte dies auch seinen Mitarbeitern zugestehen.

„Was ist warum passiert und wie können wir es das nächste Mal besser machen?“

Hinsichtlich dieser Frage unterscheiden sich „Null-Fehler-Toleranz“ und eine „Kultur des Scheiterns“ überhaupt nicht. Der Unterschied ist vielmehr, ob Mitarbeiter diese Frage beantworten und Konsequenzen hinnehmen müssen, oder sich selbst stellen und konsequent sein dürfen.

Eine Kultur des Scheiterns heißt, dass Unternehmen und Organisationen lange und hart darauf hinarbeiten, um perfekte Qualität zu liefern. Die Vorgabe lautet jedoch:

Zweimal den gleichen Fehler, können wir uns nicht erlauben“


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